Klimawandel in Rosenheim: Wie gehen wir damit um?

Gemeinsam mit der Stadt Rosenheim hat das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen e.V. am 19. Januar 2026 zu einem gut besuchten Abend in die Stadtbibliothek eingeladen. Unter dem Titel „Klimawandel – wie gehen wir in Rosenheim damit um?“ kamen über 90 interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen, um Impulse aus kommunaler Praxis und Verbandsarbeit zu hören – und anschließend konkret nachzufragen.

Dr. Hermann Biehler vom Rosenheimer Forum sowie Oberbürgermeister Andreas März begrüßten die Gäste. Den Abend moderierte Eric Treske vom Münchner Forum. Es referierten Alice Balbo vom Deutschen Städtetag sowie Frau Karin Graf bei der Stadt Rosenheim für integriertes Energie-, Klima- und Umweltschutzmanagement zuständig. Nach den Präsentationen stand eine offene Fragerunde im Mittelpunkt – lebendig, sachlich und konstruktiv.

Der Blick von außen: Kommunen zwischen Krisen, Kosten und Verantwortung

Die Referentin des Deutschen Städtetags ordnete das Thema in einen größeren Kontext ein: Städte und Gemeinden sind bereits heute stark von Klimafolgen betroffen – zugleich bewegen sie sich im Spannungsfeld aus Pflichtaufgaben, knappen Budgets, Förderlogiken und steigenden Anforderungen.

Besonders hilfreich war die klare Unterscheidung zweier Handlungsfelder, die im Alltag häufig vermischt werden:

  • Klimaschutz: Emissionen senken und Ursachen bekämpfen.
  • Klimaanpassung: mit unvermeidbaren Folgen umgehen – etwa Hitze, Starkregen oder Hochwasser.

Ein Satz wurde dabei zum Leitmotiv des Abends: „Klimaschutz ist die beste Klimaanpassung.“

Deutlich wurde auch: Gute Anpassung braucht Orientierung, Priorisierung und verlässliche Finanzierung – und sie gelingt nur, wenn sie in der Verwaltung als Querschnittsaufgabe mit klarer Koordination organisiert ist.

Der Blick in die Stadt: Was Rosenheim bereits tut – und was als Nächstes ansteht

Frau Graf stellte vor, welche Strukturen und Maßnahmen die Stadt Rosenheim in den letzten Jahren im Bereich Klima aufgebaut hat – vom Management über Bilanzierung bis zu konkreten Projekten.

Im Bereich Klimaschutz wurden unter anderem genannt:

  • Aufbau von Zuständigkeiten und Managementstrukturen für Energie, Klima und Umweltschutz.
  • Energie- und Treibhausgas-Bilanzierungen sowie regelmäßige Berichte und Analysen.
  • Solarpotenzial-Tools und Energieberatung als Unterstützung für Bürgerinnen und Bürger.
  • Netzwerk- und Verbundarbeit in der Region zur gemeinsamen Weiterentwicklung.

Im Bereich Klimaanpassung ging es um das städtische Klimawandelanpassungskonzept und die Priorisierung von Maßnahmen nach Dringlichkeit, Wirksamkeit und Umsetzbarkeit. Besonders im Fokus standen Maßnahmen, die im Stadtbild sichtbar werden und die Lebensqualität verbessern.

Beispiele aus der Diskussion:

  • Mehr Raum für Stadtbäume und Begrünung in stark versiegelten Bereichen.
  • Schwammstadt-Prinzip: Wasserrückhalt, Entsiegelung und klimaangepasste Planung.
  • Hitzeangepasste Infrastruktur, insbesondere bei Radwegen und im öffentlichen Raum.
  • Kommunikation und Bewusstseinsbildung über eine geplante Medienkampagne.

Der Publikumsdialog: Fragen, die Rosenheim konkret weiterbringen

In der anschließenden Fragerunde zeigte sich, worauf es den Teilnehmenden besonders ankommt: Transparenz, Nachvollziehbarkeit und ein klarer Umsetzungspfad.

Drei Themenlinien zogen sich durch viele Wortmeldungen:

  • Steuerung: Wer koordiniert Klimaanpassung in der Verwaltung – Stabsstelle, Planung, Umwelt, Gesundheit?
  • Verbindlichkeit und Finanzierung: Welche Aufgaben sind freiwillig, welche fördergebunden – und wo braucht es mehr Mittel?
  • Transparenz und Beteiligung: Wie werden Inhalte, Entscheidungen, Fortschritte und Wirkungen für Bürgerinnen und Bürger sichtbar?

Einige Fragen waren sehr konkret und praxisnah, zum Beispiel:

  • Wie werden Klimabilanzen und Energieberichte genutzt – und wer erläutert die Ergebnisse?
  • Welche Inhalte umfasst das Rosenheimer Klimawandelanpassungskonzept, wie lief der Beteiligungsprozess und wie werden Ergebnisse kommuniziert?
  • Wie wirken Klimaziele und Anpassungsmaßnahmen in Bauleitplanungsverfahren hinein (z.B. Retention, Dachbegrünung)?
  • Wie wird Verkehr mitgedacht – ÖPNV, Carsharing, Priorisierung im öffentlichen Raum?
  • Welche Optionen gibt es für Stadtbäche, Hochwasserschutz und besonders gefährdete Bereiche?

Mehrfach wurde der Wunsch nach einem nachvollziehbaren Controlling geäußert: Was wird wann umgesetzt, mit welchem Budget, und welche Wirkung wird erwartet? Die Forderung nach Transparenz wurde als Anregung aufgenommen.

Dranbleiben, verständlich machen, gemeinsam umsetzen...

Der Abend hat gezeigt: Rosenheim hat Konzepte, Strukturen und erste Maßnahmen – und gleichzeitig gibt es ein starkes Interesse, Prioritäten und Fortschritte besser nachvollziehen zu können. Solche Veranstaltungen leisten dafür einen wichtigen Beitrag: Sie schaffen Orientierung, öffnen den Dialog und verbinden Perspektiven aus Verwaltung, Politik, Verbandsarbeit und Stadtgesellschaft. Wer sich einbringen möchte, ist eingeladen, Themen und Fragen für kommende Abende einzureichen und den Austausch weiterzutragen, gerne via E-Mail an vorstand(at)rosenheimer-forum.de. Denn Klimaschutz und Klimaanpassung gelingen nur gemeinsam.

Hier die ursprüngliche Veranstaltungsankündigung vom 07.01.2026:

 

Wie geht Rosenheim mit dem Klimawandel um?

Informations- und Diskussionsveranstaltung u.a. mit Alice Balbo, Referentin für Klimafolgenanpassung beim Deutschen Städtetag.

Montag, 19.01.2026 von 17:00 bis 19:00 Uhr

Einlass ab 16:30 Uhr / Eintritt frei / Spenden willkommen

Stadtbibliothek Rosenheim

Eine Veranstaltung des Rosenheimer Forums für Städtebau und Umweltfragen e.V. in Kooperation mit der Stadt Rosenheim.

Veranstaltungsort in Google Maps zeigen

Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Frage ist nur noch, wie stark er ausfällt und unsere Lebensbedingungen, insbesondere die unserer Kinder und Enkel, verändert.
Was tun wir und was können wir in Rosenheim tun, um den Temperaturanstieg lokal zu bremsen?
Was tun wir und was können wir vor Ort tun, um uns auf die Risiken vorzubereiten, die der Klimawandel für Rosenheim mit sich bringt?

Herr Oberbürgermeister Andreas März und Dr. Hermann Biehler vom Rosenheimer Forum werden die Veranstaltung eröffnen. Ziel ist es, Stadt und Stadtgesellschaft bei diesem Thema zusammenzubringen.
Dazu konnte für einen Vortrag Frau Alice Balbo gewonnen werden, die als Referentin beim Deutschen Städtetag v.a. für Klimaanpassung und Resilienz zuständig ist. Sie gibt einen Überblick über die Betroffenheit deutscher Städte und deren Risikomanagement.
Seit 2023 liegen in Rosenheim ein Klimawandelanpassungskonzept sowie seit November 2025 zwei Fachkonzepte „Umwelt – Klima – Klimawandel“ und „Landschaft – Freiraum“ vor. Frau Karin Graf, bei der Stadt Rosenheim für Integriertes Energie-, Klima- und Umweltschutzmanagement zuständig, wird die Ergebnisse dieser Untersuchungen und Fachkonzepte zusammenfassend vor-stellen.
Wir haben damit fachliche Grundlagen, um uns eine Meinung über die aktuelle Situation, über die dringlichsten Problemfelder und über unsere Handlungsmöglichkeiten zu bilden. Die Besucher*innen der Veranstaltung haben dann Gelegenheit, Fragen, Anregungen und Diskussionsbeiträge einzubringen.
Herr Eric Treske vom Münchner Forum moderiert den Abend.

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Rosenheimer Forum

Rosenheimer Forum

Das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen e.V. versteht sich als Forum für die Diskussion und die ideelle Förderung des Städtebaus und des Baugeschehens in der Stadt Rosenheim und in ihrem Umland. Zu Fragen der Stadtentwicklung gehören im Sinne der Nachhaltigkeit auch Umweltfragen sowie politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge.

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